Samstag, 29. Oktober 2016

Natürliche Familienplanung - Die Grundlagen

Oder auch: Symptothermale Methode, Sensiplan
ist eine Verhütungsmethode, die darauf basiert, dass wir als Frauen unseren Körper beobachten und daraus bewerten können, in welcher Phase unseres Zyklus wir uns befinden. Dadurch können wir  eingrenzen, wann der Eisprung stattgefunden hat.
Dazu messen wir unsere Basaltemperatur, beobachten unseren Zervixschleim, werten diese nach bestimmten Regeln aus und kombinieren diese miteinander. So ist diese Methode auch für den Kinderwunsch geeignet. 
Mit diesen Artikeln erfülle ich mir einen großen Wunsch. Ich hab drei Artikel geschrieben nämlich über die Grundlagen, über Verhütung und Kinderwunsch und über Verhütung nach einer Geburt/in der Stillzeit. Ich hab sie aufgeteilt, weil es für ein Artikel zu viel wäre. So könnt ihr euch mit dem befassen, was euch interessiert. Viel Spaß!

Viele schreien wahrscheinlich auf, weil sie die Verhütungsmethode als nicht effektiv empfinden. Zu "Natürlichen Familienplanung" werden auch Methoden wie den Menstruationskalender oder nur Temperatur messen gezählt. Diese sind nicht annähernd so sicher wie die Methode nach Sensiplan. Man kann den Eisprung mit keiner dieser Methoden auf den Tag genau bestimmen. Allerdings wird bei der Methode nach Sensiplan doppelt kontrolliert durch das Temperatur messen und der Zervixschleimbeobachtung sodass sich der Eisprung eingrenzen lässt und die Zeit, ab die man 100% sicher unfruchtbar ist, bestimmen lässt. Die Methode nach Sensiplan hat einen Pearl-Index von 0,4 und gehört damit zu den sehr sicheren Methoden. Zum Vergleich: Der Pearl-Index von Kondom liegt zw. 2-12 und von der Pille zw. 0,1-0,9. Wichtig zu erwähnen ist, dass in der fruchtbaren Zeit immer der Pearl-Index des dann zusätzlich benutzen Verhütungsmittel gilt. Denn mit Sensiplan kann ich zwar die fruchtbaren Tage bestimmen, die Methode gibt mir aber logischer Weise in dieser Zeit keinen Verhütungsschutz. 
Ich finde es immer sehr schade, dass die Methode sofort schlecht gemacht wird, ohne zu wissen, was eigentlich dazu gehört und wie sicher sie ist, wenn man alle Regeln befolgt. 

Ich werden dieses Thema in 3 Artikeln aufgreifen. Ich finde es nämlich von Vorteil, wenn man die Grundlagen zur Fortpflanzung bei Mann und Frau kennt. Außerdem werde ich es bezogen auf die Verhütung und Kinderwunsch und auf die Verhütung nach der Geburt/in der Stillzeit. Damit nicht jeder gezwungen ist, sich alles durchzulesen, werde ich es splitten und so kann jeder sich das durchlesen, was er für sich interessant findet.

Hier werde ich die Grundlagen zur Fortpflanzung bei Männern und Frauen und das "Handwerkzeug" erklären. 

Die Grundlagen der Fortpflanzung bei der Frau:

  • ·  Die inneren Geschlechtsorgane bestehen aus der Gebärmutter, die geschützt im kleinen Becken liegt und durch die Scheide mit dem äußerlichen Geschlechtsorganen verbunden ist.
  • ·  Von der Gebärmutter zweigen rechts und links die Eileiter ab. Die Enden sind trichterförmig, frei beweglich und legen sich beim Eisprung über den Eierstock, damit sie die Eizelle aufnehmen können.
  • ·    Die Eierstöcke sind pflaumenförmig und werden durch Bänder an beiden Seiten an der Beckenwand festgehalten. Bei der Geburt eines Mädchens sind dort bereits alle Eizellen (ca. 400.000, davon werden nur 400-450 voll reifen) vorhanden, die jemals im Laufe ihres Lebens heranreifen werden. Dort wird Östrogen und Progesteron (Hormone) gebildet.
  • ·  Die Schleimhaut, womit die Wände der Gebärmutter neben Muskelschichten ausgekleidet sind, wird in einem monatlichen Rhythmus aufgebaut und mit der Menstruation abgestoßen.

Grundlagen der Fortpflanzung bei dem Mann:

  • ·       Es dauert 3 Monate bis die unreife Geschlechtszelle zum Spermium gereift ist.
  • ·      In der Kappe des Spermiums sind Enzyme enthalten, die Helfen die Hülle der Eizelle besser durchdringen zu können.
  • ·  Bei jedem Samenerguss werden 200-700 Millionen Spermien durch die beiden Samenleiter und der Harnröhre hinausgeschleudert.


Der weibliche Zyklus
In einem Zyklus wächst eine Eizelle heran und wird vom Eierstock freigegeben. Die Befruchtung der Eizelle findet am Tag des Eisprunges statt. Die Spermien können auf den Eisprung warten durch die Veränderungen im Körper der Frau VOR dem Eisprung, weswegen der Verkehr nicht genau an dem Tag des Eisprungs sein muss. 12-16 Tage nach dem Eisprung kommt es zur Blutung, wenn die Eizelle nicht befruchtet wurde und es beginnt eine neue Eireifung.
Viele Frauen bezeichnen ihren Zyklus als unregelmäßig, da er nicht jedes Mal genau die gleiche Anzahl an Zyklustage hat. Das macht aber einen unregelmäßigen Zyklus nicht aus, um ihn als unregelmäßig zu bezeichnen. Zyklen mit einer Länge von 23-35 Tagen gelten als REGELMÄßIG. Kaum eine Frau hat jeden Zyklus haargenau die gleiche Anzahl an Zyklustage. Hinzu kommt, dass sich der Zyklus mit den Lebensphasen (wie Pubertät, Kinderwunsch/absetzen der Pille, Schwangerschaft, Stillzeit, Wechseljahre) verändert und auch das Leben an sich (Stress, Positive/Negative Ereignisse, etc.) Einfluss auf den Zyklus hat.
Viele Frauen greifen dann zu Hormonen, da dann der Zyklus regelmäßiger und berechenbarer wird. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich hatte auch in der Pubertät irrsinnige Probleme damit, wie meine Zyklen waren und war total froh, als ich endlich die Pille nehmen konnte. Allerdings ist dies nur ein künstlich herbeigerufener regelmäßiger Zyklus, was das Problem an sich nicht behebt. Als ich vor 2 Jahren nach 9 Jahren (mit Unterbrechung der Schwangerschaft) endgültig die Pille abgesetzt habe, war mein Zyklus auch nicht mehr so gefühlt unregelmäßig wie davor. Je älter Frauen werden, desto stabiler wird der Zyklus, bis er in den Wechseljahren wieder stärker schwankt. Man muss also Geduld haben, bis es sich von alleine reguliert.
Jeder Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Blutung und endet mit dem letzten Tag vor der nächsten Blutung. Schmierblutungen zählen immer zum alten Zyklus.

Ein Zyklus besteht aus 2 Phasen:
Die Phase vor dem Eisprung (Follikelreifungsphase)
und
die Phase nach dem Eisprung (Gelbkörperphase)
Was jeweils in den Phasen passiert kann man anhand von Zeichen des Körpers erkennen (Zeichen der Fruchtbarkeit).

Die Phase vor dem Eisprung:
Am Anfang des Zyklus reifen unter dem Einfluss des Hormons FSH (Follikel stimulierendes Hormon) mehrere Eibläschen heran. In den Eibläschen (Follikel) befindet sich die Eizelle. Das am weitesten entwickelte Eibläschen platzt und gibt die Eizelle frei. Währenddessen gehen die anderen Eibläschen zur Grunde. In der Wand des Eibläschen wird das Hormon Östrogen gebildet. Je größer die Eibläschen werden, desto mehr Östrogen wird gebildet und in die Blutbahn freigegeben. Umso näher der Eisprung ist, umso höher ist der Östrogenspiegel im Blut. Das ist das Signal für die Hirnanhangsdrüse das Hormon LH (Luteinisierendes Hormon) auszuschütten. Damit wird der Eisprung ausgelöst.
Das Östrogen führt dazu, dass die Gebärmutterschleimhaut neu gebildet wird und zu Veränderungen des Zervixschleims.

Die Phase nach dem Eisprung:
Wenn der Eisprung vorüber ist, fällt das Eibläschen zusammen und wandelt sich in eine Drüse um, in das sogenannte Gelbkörper, die ihren Namen von ihrer Farbe haben. Das Gelbkörper bildet zum Östrogen zusätzlich das Hormon Progesteron, welches die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereitet und weitere Veränderungen des Zervixschleims bewirkt. Außerdem bewirkt es, dass die Temperatur ansteigt und bis zum Ende des Zyklus hoch bleibt.
Nun beginnt die unfruchtbare Phase. Wenn keine Befruchtung stattgefunden hat, geht das Gelbkörper 12 bis 16 Tage nach dem Eisprung zu Grunde und die Östrogen und Progesteron-Bildung geht zurück. Damit geht die Temperatur wieder runter und die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen.
Wenn die Temperatur länger als 18 Tage hoch bleibt und keine Blutung eintritt, kann man davon ausgehen, dass eine Schwangerschaft eingetreten ist.
Der Eisprung findet nicht immer in der Mitte des Zyklus statt. Die erste Phase ist oft unterschiedlich lang, ab dem Eisprung ist die Zeit bis zur Menstruation allerdings ungefähr gleich lang.

Der Weg der Spermien im weiblichen Körper
Durch den Samenerguss gelangen die Spermien von der Scheide zum Gebärmutterhals und die Gebärmutterhöhle und trifft im äußeren Drittel des Eileiters auf eine Eizelle. Nach dem Samenerguss trennen die Spermien bis zu ihrem Ziel noch 15-18cm. Die Spermien verbleiben zum Teil im Gebärmutterhals oder wandern in den nächsten 3-5 Tagen zum Teil zu den Eileitern. Durch diese Verzögerung wird die Chance erhöht, dass ein Spermium auf eine Eizelle trifft.
An den unfruchtbaren Tagen ist ihnen dieser Weg versperrt, da der im Gebärmutterhals gebildete Zervixschleim den Zugang zur Gebärmutter verhindert. Der Zervixschleim ist zu diesem Zeitpunkt ein zäher, fester Pfropf. Die Spermien bleiben in der Scheide, wo sie die saure Umgebung nicht vertragen und innerhalb kurzer Zeit kaputt gehen.
An den furchtbaren Tagen wird der Zervixschleimpfropf lockerer. Er wird zunehmend wässriger/flüssiger und nimmt an Menge erheblich zu. Der Zervixschleim besteht aus Eiweißbestandteilen, Salzen und Zuckern, sodass die Spermien die nötige Energie für ihre weitere Reise bekommen. In der fruchtbaren Zeit ist der Zervixschleim die ideale Lebensbedingung für die Spermien.

Befruchtung, Einnistung, Schwangerschaft
Es muss nicht nur ein Spermium auf die Eizelle treffen, denn die Hülle, von der die Eizelle umgeben ist, ist so fest, dass die Spermien diese erst mal auflösen müssen. Bei der Befruchtung dringt dann nur ein Spermium in die Eizelle ein und sie verschließt sich auch sofort wieder für weitere Spermien. Die Befruchte Eizelle beginnt sich sofort zu teilen und wird durch die Flimmerhärchen im Eileiter und Muskelbewegungen zur Gebärmutter transportiert. Dort kommt sie an, wenn die Gebärmutter bereits mit der Gebärmutterschleimhaut ausgekleidet ist. Die Einnistung passiert in der Gebärmutterwand ca. 6 Tage nach der Befruchtung.


Was brauche ich, um NFP durchzuführen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Zyklus aufzuzeichnen. Es gibt verschiedene Apps bzw. Internetportale (die hängen öfters zusammen) oder man kann es auch per Hand in eine Kurve eintragen. Hierzu kann man sich ein Zyklusblatt von der Seite der Arbeitsgruppe NFP herunterladen.
App und Internetportal: https://www.mynfp.de/
Seite der Arbeitsgruppe NFP der Malteser: http://www.nfp-online.de/Willkommen.44.0.html
Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
Ich habe mit myNFP angefangen. Das ist ein Internetportal und eine App, die man miteinander synchronisieren kann. Diese kostet allerdings etwas und deswegen bin ich zwischenzeitlich auf die App „Ovuview“ umgestiegen. Eine Zeit lang habe ich beide miteinander kombiniert, da beide verschiedene „Störfaktoren“ zur Auswahl haben und ich so vieles beobachten kann. Allerdings komm ich mit myNFP besser zurecht und kann „Störfaktoren“, die nicht generell beinhaltet sind, manuell in die Kurve einfügen, sodass ich mittlerweile nur noch myNFP benutze. Auf die Dauer zwei Apps zum Aufzeichnen des Zyklus zu benutzten ist auch etwas anstrengend und chaotisch. Außerdem kann man auch zu viel beobachten und zu viel dem Zyklus zuschreiben, so zumindest meine Erfahrung. 
Bei myNFP kann man bei Beginn einen „Emailkurs“ machen, in dem einem im ersten Zyklus alles Wichtige per Mail zugeschickt wird. Außerdem habe ich mir die Bücher „Natürlich und sicher“ Praxisbuch und Arbeitsheft gekauft, wo zum einem alles genau erklärt wird und man zum anderen schon mal üben kann, die ganzen Regeln anzuwenden. Außerdem gibt’s auch noch das Buch „Natürliche Familienplanung heute“, dass hab ich bisher aber noch nicht benutzt.

Das richtige Thermometer ist auch wichtig
Es sollte ein digitales Thermometer mit zwei Messstellen nach dem Koma sein oder ein analoges Thermometer, wo auf der Scala zwei Nachkommastellen gut zu erkennen sein sollte.
Das Thermometer sollte zwei Nachkommastellen haben, da eine Nachkommastelle zu ungenau ist. Außerdem sollte ein digitales Thermometer über den Piep-Ton hinaus messen, da mind. 3 Min. gemessen werden sollte. 
Zu ungenauen Messungen kann es auch bei einem altem Thermometer oder bei schwachen Batterien kommen. Außerdem könnte die Messung auch dadurch gestört werden, dass bei der vaginalen Messung das Thermometer rausrutscht. 
Das Thermometer sollte plus/minus 0,1 Grad Messgenau sein. Ein deutlich zackiger Kurvenverlauf deutet auf einen Geräteschaden hin. Geeignete Thermometer für die Messung der Basaltemperatur sind gekennzeichnet.
Die Messwerte sollten auf ein halbes zehntel Grad ab bzw. auf gerundet werden (0,03-0,07 => 0,05, 0,08-0,02 => 0,00)
Und man brauch natürlich Geduld und auch Lust daran, den Körper zu beobachten und dies passend auszuwerten.

Das sind die Grundlagen, die man wissen sollte, bevor man sich für die Methode nach Sensiplan entscheidet.

Eure Franzi

Quellen:
Natürlich und Sicher Praxisbuch
Natürlich und Sicher Arbeitsheft
www.myNFP.de
Eigene Erfahrungen

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